Bara Marianne egyedi tervezésű kalapok

Budapest Rundschau - Die Hauptstadtzeitung des PESTER LLOYD
2002. október 16

Gut behütet

Ein Besuch bei der Budapester „Putzmacherin" Marianne Bara

„Das finde ich toll, wenn ich auf der StraRe zufallig Menschen sehe, die meine Hüte tragen." Anders als die ausgeflippten Modemacher, die auf den grolien Laufstegen dieser Welt ihre Mode prasentieren, sind die Arbeiten von Marianne Bara (Foto) tatsachlich für den Alltag gemacht. Und deshalb auch auf der Straf3e anzutreffen, besonders haufig im Zweiten Bezirk, wo sie sich niedergelassen hat, aber zuweilen sogar in entfernten LAndern.

Ihr Arbeitsplatz erinnert eher an ein Atelier als an eine Werkstatt. Der Beruf, wie er hier ausgeübt wird, hat auch mehr mit dem einer Künstlerin denn mit einer Handwerkerin gemein. Einziges Werkzeug ist eine kleine unscheinbare Nihmaschine, fast unglaublich bei der Fülle von Hüten, die hier zu sehen sind. Die meiste Arbeit Milt allerdings auch nicht bei der Herstellung eines Hutes an, das dauert je nach Ausführung blof3 einige Stunden. Die eigentliche Arbeit, die des Entwerfens, ist dann bereits getan.

Inspirieren I~sst sich die Hut-Künstlerin zwar auch von aktuellen Modetrends, aber lieber holt sie sich Anregungen auf dem Flohmarkt oder aus alten Modezeitschriften. Doch altmodisch wirken ihre Arbeiten dadurch nicht. Das Wichtigste an ihrer

T~tigkeit ist for Marianne Bara, class ihre Hüte tragbar sind. Funktional sollen sie sein, aber trotzdem gut aussehen. „Das ist gerade das Schwierige: etwas zu schaffen, das feminin und modisch wirkt, aber trotzdem im Alltag seinen Zweck erfüllt."

In Budapest gibt es insgesamt nicht mehr als zehn Hutmacher. Starke Konkurrenz herrscht unter ihnen nicht. Grunds~tzlich sind Kopfbedeckungen in Budapest relativ beliebt, ca das Wetter je nach Jahreszeit beide Extreme kennt: Stechende Sonne oder ungemütliche KNte. Problematischer als die lokale Konkurrenz sind die Importe, meist aus Fernost, die mit billigen Massenlieferungen die grof3en Kleidungsketten beliefern. Marianne Bara muss deshalb andere Zielgruppen bedienen. Abnehmer for ihre handgefertigten Hüte sind etwa jeweils zur HAfte Einzelkunden und kleine Boutiquen, die Wert auf Qualitüt und Individualitit legen. Au(3er in Budapest kann man ihre Werke auf diesem Weg auch in Wien und München erwerben. Zwischen 200 und 300 Hüte bringt sie so j~hrlich auf den Markt.

„Am liebsten sind mir die Einzelkunden." Vor allem weil Marianne Bara sich dann ein Bild von der Person machen kann, die ihren Hut einmal tragen soil. Hilfreich sind dabei auch die direkten Rück meldungen auf ihre Arbeit. Etwas Passendes zu finden ist dann viel einfacher. Das Ergebnis soil sowohl for sie als auch for ihre Kunden eine Möglichkeit des Selbstausdrucks sein. Zu den Gründen, die einen Menschen zu ihr führen, gehören neben einem exklusiven Geschmack gelegentlich auch ganz banale Motive, etwa ein besonders grof3er oder kleiner Kopf, der nicht den g~ingigen Massengröf3en ent spricht. Meistens kommen die Kunden direkt in ihre Werkstatt, die gleichzeitig Verkaufsraum ist, und suchen sich dort unter den rund hundert Modellen eines aus, das den Vorstellungen entspricht. Diese Probierphase ist sehr wichtig und bis zur Entscheidung kann leicht eine Stunde vergehen. Ist die Wahl getroffen, wird der Hut speziell for die eigene Gröf3e und in der gewünschten Farbe angefertigt. Ein Hut kostet dann zwischen 8.000 und 10.000 Ft. Marianne Bara entwirft vor allem for Frauen, doch in EinzelfMen hat sie auch schon M~nner und Kinder ausgestattet. Sie muss von einer Aufgabe vor allem überzeugt sein und sich in ihren Ideen heraus gefordert fühlen, dann sind auch Sonderwünsche kein Problem. In solchen Momenten zeigt sich die Begeisterung for ihre Arbeit. Viele Jahre lang war Marianne Bara auf der Suche nach einem Beruf, der sie zufrieden stellt. Ihre Karriere begann sie als Medizinerin, studierte dann Kunstgeschichte und kam eher zuMllig zur Mode. Sie wollte einen praktischen Beruf, wo sie die Kunst mit H~nden greifen kann, anstatt sich nur theoretisch mit ihr zu besch~iftigen. Heute ist sie sicher, das Richtige gefunden zu haben.

Die Fertigkeiten for ihren aktuellen Beruf hat sie sich alle selbst angeeignet, denn eine schulische Ausbildung gibt es dafür nicht. Die einzige Möglichkeit besteht darin, bei einem bereits praktizierenden Hutmacher in die Lehre zu gehen. Doch die alteingesessenen Hutmacher behalten ihre Techniken gerne als Berufsgeheimnis for sich und geben ihr Wissen höchstens im Familienkreis weiter. Deshalb ist es Marianne Bara bis heute nicht gelungen, die traditionellen Arbeitsweisen zu erlernen, die meist noch mit Holzmodellen arbeiten. Doch offensichtlich wusste sie sich trotz dieses Mangels zu behaupten, schlief3lich hat sie sich nun selbst eine Art Berufsgeheimnis erarbeitet. Doch das Wichtigste an ihrer Arbeit bleibt die Kreativit~t „Die Technik ist nur wichtig, um Ideen realisieren zu können."

Wer sich bei Marianne Bara für die kommende Wintersaison ausstatten möchte, kann unter der Telefonnummer (1)200-0334 einen Termin vereinbaren, - sie spricht auch deutsch.

Carolin Salvamoser